Bindungspädagogik

Trauma- und Bindungspädagogik – 3

Weitere Grundlagen der Bindungstheorie

Die Bedeutung der Feinfühligkeit einer Bindungsperson gegenüber den Signalen eines Kindes wurde von Mary Ainsworth durch ihre Forschungsarbeiten entdeckt. Für die Entwicklung einer sicheren Bindung ist es wichtig, dass sich die jeweilige Bindungsperson dem Kind gegenüber feinfühlig verhält. Dies bedeutet, dass sie die kindlichen Verhaltensweisen wahrnimmt, die Signale des Kindes intuitiv richtig interpretiert und angemessen, entsprechend des Säuglingsalters, auf die Bedürfnisse des Kindes reagiert. Das so versorgte Kind entwickelt allmählich ein Gefühl der Selbstbestimmung, weil seine Bindungswünsche als auch seine neugierigen Impulse verstanden und akzeptiert werden. Eine feinfühlige Bindungsperson ist durchaus in der Lage, die teilweise sehr unspezifischen kindlichen Signale wahrzunehmen und unabhängig von der eigenen Bedürfnislage zu erschließen. Da die intrapsychische Regulierungsfähigkeit eines Kindes mit wachsendem Alter kontinuierlich zunimmt, muss sich das elterliche Unterstützungsverhalten beständig daran anpassen. Unter diesen Voraussetzungen kann ein Kind eine sichere Bindung an die Mutter entwickeln.

Die feinfühlige Betreuung

Die feinfühlige Betreuung entfaltet sich dann, wenn die Bezugsperson das Kind als intentionales Wesen wahrnehmen kann. Diese Haltung wird nonverbal vermittelt, das Kind spürt dies aufgrund dieser erwachsenen inneren Haltung. Hier spielt das „affect attunement“ eine Rolle: Mutter und Kind stimmen sich affektiv aufeinander ein. Dabei ist es wesentlich, dass die Bindungsperson in einem für das Kind richtigen Rhythmus das Angemessene tut; also seinen Affekt teilt, sowie dessen Verlaufsstruktur und Intensität. Je näher sie dabei dem Eigenrhythmus des Kindes kommt, desto eher erlebt es seine eigene Effektanz. Dabei kommt es auch bei gut eingespielten Mutter-Kind-Konstellationen laufend zu mismatching, die dann permanent repariert werden (Köhler 1996). wurden die Copingmechanismen untersucht, derer sich bereits 3-6 Monate alte Kinder bedienen. Dabei wurde deutlich, dass in dem Maße wie es einem Säugling gelingt, den unterbrochenen Dialog zur Bindungsperson wieder herzustellen, sein Effektanzerleben steigt. Dies hatte zu Folge, dass eine Ausbildung eines positiv getönten affektiven Kerns möglich wurde.

Die Bedeutung elterlicher Wärme

Ein Kind, dem es wiederholt nicht gelingt, den dyadischen, affektiven Austausch mit seiner Bindungsperson wieder herzustellen, erfährt eine Form der Wirkungslosigkeit. Eine sogenannte negative Effektanz. Die zielgerichteten Versuche, die Beziehung zu regulieren, werden letztlich aufgegeben und die Selbstregulation stabilisiert. Es entsteht in der Folge ein negativ getönter affektiver Kern, der die Erwartung des Kindes bestimmt. Schlimmstenfalls werden die früheren Copingmechanismen nun zu einer gewohnten, unbewussten Abwehrstruktur (Köhler 1996).

Die meta-analytischen Ergebnisse von De Wolff und van IJzendoorn (1997) zeigen, dass Feinfühligkeit für die Entwicklung einer sicheren Bindung wichtig ist. Auch Interaktionsverhaltensweisen wie „Gemeinsamkeit“ und „Synchronizität“ deuten auf einen Einfluss hin. „Elterliche Wärme“ und „Akzeptanz“ wurden dabei am häufigsten erwähnt.

 

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